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Leipziger Literaturmesse ist gerade vorbei, das "Eifel
Literaturfestival" beginnt. Also geht es auch in
der Region wieder um Schriftsteller, Bücher und Verlage.
o7 sprach deshalb mit dem bekannten Kriminalschriftseller
Ralf Kramp. Natürlich wollten wir unter anderem von
ihm wissen, wie man ein erfolgreicher Autor in Sachen
Mord & Totschlag wird. |
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| Herr
Kramp, wir sitzen hier im "Kriminalhaus" in
Hillesheim. Wo kann man Sie besser fragen, welches für
Sie der beste literarische Krimi der Welt ist? |
| Herr
Lieser, vermutlich habe ich den noch nicht gelesen. Aber
von denen, die ich bis jetzt gelesen habe, kann ich direkt
"Ein Ort für die Ewigkeit" von Val McDermid
und "Fräulein Smillas Gespür für Schnee"
von Peter Høeg nennen. Mich spricht besonders an
wenn es ein Krimi schafft, mich mit seiner Atmosphäre
absolut einzufangen. Das kann sowohl eine heitere Sache
sein, mit der ich mich so richtig beschwingt fühle,
es kann aber auch eine tief-traurige Atmosphäre sein.
Das schaffen diese beiden Romane. |
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| Sie
gehören zu den bekanntesten Kriminalautoren Deutschlands.
Wie schreiben Sie einen Krimi? |
| Die
erste Idee kann Jahre zurückliegen, bevor ich tatsächlich
darauf zugreife. Man hat sie in Ruhephasen, während
der Autofahrt, in der Badewanne oder unter der Dusche.
Das kann entweder ein Bestandteil des Handlungsablaufs
sein, oder eine Figur, von der ich denke: um diese Figur
könnte sich einmal eine Geschichte drehen. Es gibt
viele Anlässe. Dieser Gedanke verfestigt sich dann.
Im Laufe der Zeit kommt immer etwas Neues dazu, dann entspinnt
sich langsam eine Story. |
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| Und
dann weiß ich, das muss jetzt raus, das ist der
Roman, den ich jetzt schreiben werde. Ein halbes Jahr
Vorbereitung folgt, in dem ich die ersten Gespräche
führe, mir die ersten Gegenden angucke, die ersten
Recherchen mache. Und dann gibt es ein halbes Jahr Schreibarbeit
dazu. Ich würfele ganz gerne die Sachen, die ich
kenne, zusammen und mixe daraus einen Cocktail. Bei mir
geht es aber zum Beispiel nicht darum - andere Kollegen
haben großen Spaß daran - eine besonders blutrünstige
oder perfide Mordart zu kreieren. Da habe ich nie Freude
dran gehabt. |
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| Irgendwann
schalten Sie dann den Rechner an, und das neu angelegte
Textdokument ist noch leer. Wie fangen Sie an? |
| Zuerst
einmal überlege ich mir ernsthaft, welches Anfangsszenario,
welche Eingangsszene ich mache: Wird das der Hauptdarsteller
sein, der schon was erlebt? Fange ich mit dem Mord an?
Ich mache ganz gerne die Beschreibung des Mordes vorweg.
Das heißt, ich gebe meinem Leser zunächst einmal
die Gelegenheit, diesen Mord selbst zu erleben. Bei vielen
Kriminalromanen fällt erst die Leiche an und dann
wird auseinander klamüsert, wie es dazu überhaupt
gekommen ist. |
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| Das
mache ich nicht. Meine Morde sind auch eher hausbacken,
das heißt, da wird mal mit dem Stein zugeschlagen,
oder da wird mal mit dem Auto geradeaus gefahren, wenn
man eigentlich stehen bleiben sollte. Also Dinge, die
viellicht auch nachvollziehbar sind. Und wenn ich diese
Dinge vorab stelle, finde ich, ist es hinterher auch interessanter
zu begleiten,wie das wieder aufgedeckt wird. Meistens
sind die ersten Sätze Dinge, die das künftige
Opfer denkt oder erlebt. |
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| "Ich
habe keine 'Zutatenküche'" |
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| Wenn
Sie in Ihre "Zutatenküche" als Krimiautor
gucken - was sollte auf jeden Fall immer in einem Krimi
drin sein? |
| Der
Witz ist der, dass ich überhaupt keine "Zutatenküche"
habe. Das sind eigentlich alles Sachen, die vergleichsweise
ungeplant passieren. Ich glaube nicht, dass es im Kriminalroman
Schemata gibt wie zum Beispiel beim klassischen Bühnenstück.
Also im dritten Akt der Königsmord und so weiter.
Aber es gibt Dinge, die man beherzigen sollte. Agatha
Christie hat einmal gefordert, dass der Mörder tatsächlich
schon im ersten Kapitel bekannt sein muss. Das meine ich
nicht mehr. Ich finde es immer noch reizvoll, wenn ich
Kriminalromane lese, die einen gewissen Mitrate-Charakter
haben. Das ist auch nicht mehr als fair, wenn ich als
Leser von vornherein die gleiche Ausgangssituation habe
wie der Detektiv im Roman. Aber es gibt eben auch Arten
von Kriminalliteratur, die wollen eine ganz anderen Handlungsablauf.
Kriminalliteratur ist ja nie eine Spezies, die fest geformt
in festen Regeln abzulaufen hat. Da gibt es ganz, ganz
viele Spielarten. |
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| Welche
Rolle spielt die Eifel mit ihren Bewohnern und die Eifel-
Landschaft für Ihre Arbeit? |
| Das
ist für mich natürlich eine stetige Inspiration.
Ich merke, auch bei Lesungen, dass meine Sachen immer
dann am stärksten sind, wenn ich die Typen beschreibe,
die ich aus meinem persönlichen Umfeld kenne. Diese
knorrigen Eifeler Typen - es gibt auch weniger knorrige
Eifeler Typen - aber leicht skurrile Gestalten, leicht
überspitzt. Ich komme ja aus der Karikatur, von der
Kunst. Ich habe also so einen Hang zur Übertreibung.
Aber fest steht eins: egal wie diese Typen auch ausfallen,
ich liebe die! Eine Liebe zu den handelnden Figuren ist
ganz, ganz wichtig für einen Autor! |
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| Ein
Krimi ist ein Buch über eine schwere Straftat. Gehören
Witz und Humor trotzdem dazu? |
| Ja,
aber nicht zwingend. Bei mir bei den "Herbie Feldmann-Romanen"
sc hon. Ich schreibe zwischendurch mal einzelne, in sich
abgeschlossene Romane, die einen anderen Ton haben, die
ernsthafter sind. Das macht mir genauso viel Freude. Ich
erhole mich eigentlich immer beim einen vom anderen.
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| Ihr
Tipp für den, der seinen ersten Krimi schreiben und
damit Geld verdienen will? |
| Ja,
Krimiautoren sagen immer: "Verbrechen lohnt sich,
nicht?" Wenn es so einfach wäre. Es gehört
eine vernünftige Selbsteinschätzung dazu. Man
sollte sich wirklich zehn Mal fragen, ob man dazu in der
Lage ist. Das weiß man erst, wenn man es ausprobiert.
Hinterher muss man sich kritisch prüfen: Ist das
in Ordnung? Freunde und Verwandte nützen einem wenig
in diesem Zusammenhang, weil die natürlich im Leben
nicht kritisch anmerken werden, dass ein Stoff nix taugt
oder nicht unterhaltsam ist. Und wenn man dann dennoch
der Meinung ist, das ist eine spannender Kriminalroman
und es ist auch sprachlich gelungen, das könnte Andere
interessieren, dann soll man sich nicht an einen sondern
an mehrere Verlage wenden. |
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| Was
absolut tödlich ist, wenn man einem Verlag eine Anfrage
schickt in der steht: Ich bin im Begriff, einen Krimi
zu schreiben. Es geht um folgendes Thema. Ist das was
für Sie, können wir da ins Geschäft kommen?
Da kann kein Verlag irgendwas mit anfangen. Der Autor
ist ein Künstler, der etwas erschafft. Es geht ja
auch kein Maler hin zum Galeristen und sagt: Ich möchte
einmal gern ein Bild malen, da sollen Mohnblumen drin
vorkommen, ein bisschen Sonnenuntergang. Wäre das
ein Geschäftsmodell? |
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| Ralf
Kramp |
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| Ralf
Kramp, 44, ist gebürtig aus Euskirchen und einer
der bekanntesten Kriminalautoren Deutschlands. Von seinen
bisher zehn erschienenen Kriminalromanen und drei Kurzgeschichtensammlungen
zum Thema Mord & Totschlag ist "Tief unterm Laub"
der bisher erfolgreichste (Auflage über 20.000).
Dazu veröffentliche Kramp bislang zwei "Kinderkrimis".
Zur Zeit arbeitet er am dritten. |
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