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Jetzt
laufen
sie wieder
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| Den
Bestzeitenhalter hat es wieder erwischt. Zuletzt am 4. November
stellte Herbert Ehlen in 3:24,54 über die Ultra-Strecke
von 50 Kilometer in seiner Altersklasse einen neuen deutschen
Rekord auf, doch jetzt, ein paar Tage später, kommt er
die paar Stufen zu seinem "Arbeitsplatz" nur unter
leichtem Ächzen herunter. Das ist der Sportplatz der Graf
Salentin Regional Schule in Jünkerath und Ehlen ist dort
Sportlehrer. Der Drahtige aus Dollendorf, der den "Sport
liebt und lebt" hat es tatsächlich weit gebracht.
Im Marathon und über 10 000 Meter ist er sogar weltweit
derzeit in der M 55 die Nummer 1, doch den regelmäßigen
Muskelkater nach der Höchstleistung, den kann er nicht
besiegen. |
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| Dabei
hat er nichts falsch gemacht. Ehlen, wie viele der "Marathonis",
wie sie sich intern nennen, hat vor Jahren seinen Sport behutsam
mit langsamen Steigerungen aufgebaut, unterstützt von Krafttraining
für den "Mittelbau" seines Körpers und Aqua-Jogging
für die Ausdauer und Belastungsgewöhnung seiner Füße.
Ehlen besitzt gleich mehrere der pro Paar bis zu 200 Euro teuren
High-Tech-Laufschuhe, die er sich alle am Video-überwachten
Laufband passgenau für die Geometrie seiner Füße
ausgesucht hat. Er trägt im Training und im Wettkampf nach
Bedarf körperenge Funktionswäsche, isolierende Shirts
und wind- und wetterabweisende Jacken. |
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| Alles
regelgerecht, das würde auch Jörg Brang, Inhaber des
"LEX-Laufexperten" Fachgeschäfts in Jünkerath,
so sehen. Brang ist in der Eifel so etwas wie die Schaltzentrale
für die "Marathonis". Wie alle 50 "Lex"-Fachanbieter
in Deutschland hat er das passende Outfit in den Regalen, kann
die Kontakte herstellen zu Vereinen mit Laufabteilungen wie
dem FC Ormont, dem TuS Ahbach oder der LG Vulkaneifel - und
bietet auch den für die professionelle Schuhwahl wichtigen
Laufband-Check an. |
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| "Seit
ein paar Jahren ein regelrechter Marathon-Hype" |
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| Laufen
in der Eifel. Und das mit Anspruch. Was ist da passiert? "Das
ist seit ein paar Jahren ein regelrechter Marathon-Hype. Vieles
entsteht aus einer Stammtischlaune heraus: Marathon laufen",
so Brang, der mit 33 Aktiven aus der Region am 30. September
beim Berlin-Marathon war . Die Eifeler Marathonis hatten sich
ein Jahr lang darauf vorbereitet. Hillesheimer, Kelberger, Dauner
und Bitburger Läufer hatten wie die anderen rund 2000 Läufer,
die Brang in seiner Kartei hat, dabei auf beste Trainingsbedingungen
in der Region zurückgreifen können. |
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| Die
Eifel, weiss Rekordmann Ehlen aus tausenden von Kilometern Lauferfahrung,
"ist einfach ideal für diesen Sport. Berge, Flachland,
Straßen, Waldwege, alles vorhanden". Nicht nur der
Dollendorfer braucht einfach zwecks Trainings schlicht "
aus dem Haus zu gehen, und schon bin ich in der Natur drin".
Solche anreisefreie Nähe zum Trainingspark unterstützt
noch den Trend zu einer Sportart, deren Reiz vermutlich auch
in der scheinbaren Problemlosigkeit bei der Ausübung liegt.
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| Scheinbar,
denn was passiert, wenn regelmäßiges und kontrolliertes
Training nicht vor der Anmeldung zum Wettkampf oder auch dem
ersten selbstgesteckten 42-Kilometer-Lauf steht, davon kann
nicht nur Ehlen ein Lied singen. Er gibt offen zu, "dass
ich mich bei meinem Pensum sicherlich wie viele Spitzensportler
auf Messers Schneide bewege. Die Grenze zur Überanspruchung
ist immer sehr nahe, das ist eine Gratwanderung". |
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| Was
alles im wahrsten Sinne des Wortes schief gehen kann, das sieht
Faramarz Bahadouri, Heilpraktiker, Physiotherapeut und Diplom
Osteöpath in Gerolstein, in seiner Praxis nur zu genau.
Der Iraner ist in der "Marathonis"- Szene als Experte
für Fußgelenkserkrankungen bekannt und selbst seit
gut sechs Jahren im Gelände per schnellem Fuß unterwegs:
"Von jetzt auf 80, noch nicht einmal 100, zu laufen, das
ist schon eine kritische Belastung für die Gelenke, das
kann der Beginn einer Krankheitskarriere sein." |
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| Organisch
ist das Laufen in drei bis sechs Monaten durchaus trainierbar",
warnt auch Sportfachhändler Brang, aber der Bewegungsapparat
braucht länger. Knorpelschäden am oberen Fußgelenk,
dessen Bänder sich wie die aller Gelenke und Muskeln erst
langsam an die Be- und Entlastungswechsel beim Laufen gewöhnen
müssen, sind nur ein erstes Symptom. "Würde man
mit einer Kamera filmen können, wie sich durch den Druck
beim Auftreten zwischen Schien- und Wadenbein eine plötzliche
extreme Instabilität aufbaut, die erst einmal abgefedert
werden muss, wäre das Risiko für Manchen, "der
besser nicht laufen würde" (Brang) wohl einfacher
zu verstehen. |
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| Der
Weg zum Lauf-Genuss |
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| Ermüdungserscheinungen,
Zerrungen, die über die Knie zum Oberschenkel und das Becken,
die Wirbelsäule (Schiefstellung) schließlich bis
zum obersten Körperende führen - so kann der Krankheitsverlauf
sich nach dem Dominoprinzip fortentwickeln. "Die Patienten
kommen dann zu mir, weil sie Kopfschmerzen haben - aufgrund
von Fußbeschwerden", so Physiotherapeut Bahadori.
Das heiße natürlich nicht, so der Fachmann, "dass
Marathon Laufen automatisch Kopfschmerzen macht, sondern nur,
dass man es wie das Radfahren lernen muss". |
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| Sein
Trainingsprogramm ist dementsprechend dosiert und abwechslungsreich.
Der 49-jährige läuft drei bis vier Mal die Woche.
Zweimal steht die Kurzstrecke mit acht bis zehn Kilometern auf
dem Programm, einmal dazu die 15-Kilometer-Distanz, und alle
drei bis vier Wochen geht es auf die 24-Kilometer-Runde. |
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| Warum
er Marathon läuft, warum es so viele auch in der Eifel
tun? Warum es auch für die Spitzenteams der Region heißt
"Berlin, Berlin, wir laufen in Berlin!" - die Antwort
darauf ist von Fall zu Fall verschieden. Neben dem Spaß
an der Freude und der Anerkennung durch erfolgreiche Wettkämpfe
kommt noch etwas ganz Anderes dazu. Der Marathoni-Doktor erklärt
es leicht medizinphilosophisch so: "Man muss den Genuss
des Laufens erst einmal merken. Wenn der Körper so weit
kommt, das zu spüren, dann ist Marathon etwas Besonderes." |
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| Info-Block |
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| Marathon
ist seit 1924 als längste Laufdistanz der Leichtathletik
mit dem heute noch gültigen Maß über 42.195
Meter anerkannt. Benannt ist der Sport nach dem antiken Ort
an der Ostküste Attikas, von wo aus der Überlieferung
nach ein Läufer 490 vor Christus die Nachricht vom Sieg
des Militiades über die Perser ins 42 Kilometer entfernte
Athen brachte. Marathon in seiner heutigen Form gibt es seit
1970, als der erste "New York Marathon" startete.. |
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| Kosten
der Grundausstattung |
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Schuhe
100 bis 160 Euro pro Paar
Kleidung: Funktionsunterwäsche, Laufhose, Shirt, Jacke,
Handschuhe, Mütze, Stirnband: um die 250 Euro
Herzfrequenzmessgerät (wichtig für Anfänger)
ab 100 Euro |
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| Empfehlungen
für Laufanfänger von Herbert Ehlen |
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Vor
Aufnahme des Lauftrainings Gesundheitscheck
Gemeinsames Laufen mit Freunden fällt oft leichter
Lauftraining mit System:
Anleitung durch Fachliteratur oder Läufer
Weniger ist oft mehr!
Höre auf Deinen Körper!
Zeitbudget erstellen
Trainingstagebuch führen
Auf gesunde Ernährung achten
Alternative Trainingsformen:
Radfahren, Kraft- und Dehnungsgymnastik,
Aqua-Jogging |
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| Orange
7 - 2008 |
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