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Wie
geht das denn?
Pfarrer in
Stadtkyll |
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Siegfried
May am Arbeitsplatz in
St. Josef. "Das größte Medium für
die christliche Botschaft bin ich
ja selbst. " |
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| Liebeserklärungen
sind immer eine heikle Sache. Für Siegfried May,
seit einem Jahr Pfarrer in Stadtkyll nicht: "Hier
in der Pfarrei ist noch etwas möglich, was ich nicht
gekannt habe", sagt der 53-Jährige offen. "Was
die Kirchlichkeit angeht, lebt man hier in einer guten
Welt. Die Bodenständigkeit im Glauben ist noch da".
Im Vorraum von St. Josef zeigt er auf eine Pinnwand mit
Fotos von der erstmals in diesem Jahr angebotenen Jugendwallfahrt
nach Trier. Die Matthias-Bruderschaft aus Stadtkyll hatte
ihre Hilfe angeboten. "Auf Anhieb waren 20 junge
Leute dabei. Das ist eine Erfolgsstory!" May ist
immer noch begeistert, wenn er davon spricht. |
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| Eines
von vielen Beispielen für ein kleines Seelsorger-Paradies,
allerdings auf Zeit, wenn man weiß, vor welchen
nicht nur strukturellen Herausforderungen das Bistum Trier
mittelfristig steht. Der "Plan 2020" wird den
Zuschnitt der Pfarreien drastisch verändern. Priestermangel,
zurückgehende Kirchensteuereinnahmen sind die Gründe.
Ein Damoklesschwert für die Pfarrer vor Ort. Doch
bis dahin, man glaubt es Siegfried May sofort, bis dahin
soll es noch so gut weitergehen wie möglich. Und
das bedeutet für ihn fast schon idealtypische Arbeitsbedingungen:
"Hier ist die Schullandschaft noch identisch mit
der Pfarreienlandschaft, ich kann als Religionslehrer
alle Drittklässler unterrichten". Der Kommunionunterricht,
der Aufbau der Messdienerarbeit, der Kindergarten in kirchlicher
Trägerschaft - solche Konstellationen werden zukünftig
eher die Ausnahme sein. Denn wenn ein anderer Träger
zum Beispiel für einen Kindergarten zu finden ist,
wird das Bistum den "Garten" "outsourcen".
Kosten sparen. |
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| Ein
gebürtiger Saarländer aus Hülzweiler an
der Spitze eine Eifel-Pfarrei mit 3200 Gläubigen.
Acht Dörfer, zum Beispiel Hallschlag, Ormont, Schüller
und Stadtkyll gehören zu Mays Kirchensprengel. Und
der soll laut "Plan 2020" auf neun Pfarreien
mit 20 Dörfern mehr als verdoppelt werden. Dem bedächtigen
Seelsorger ist hierzu keine Wertung zu entlocken, doch
die Fakten kommentieren das bistumsweite Vorhaben deutlich
genug: Es kann eigentlich nicht besser werden für
die festangestellten Seelsorger in den Gemeinden. |
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| Pfarrer
ist kein geruhsamer Job. Am Stehpult in seinem
Arbeitszimmer erledigt Siegfried May die schnelle
Büroarbeit. |
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Was
heißt es heute, Seelsorger zu sein? Welches
Rollenverständnis hat May, der zuvor zwölf
Jahre Militärseelsorger im In- und Ausland
war - von Itzehoe bis Fürstenfeldbruck mit
Einsätzen im Kosovo oder auch in Afghanistan?
"Bei der Bundeswehr lernt man Menschenkenntnis,
sie ist ein getreues Abbild der Gesellschaft",
fasst er diese bisher längste Station seines
Berufslebens zusammen.
Und jetzt die Eifel. "Der Eifler ist erst einmal
sehr zurückhaltend, vorsichtig. Wenn er einen
aber mal ins Herz geschlossen hat, ist er treu",
meint May. Da hat er offenkundig in den vergangenen
gut zwölf Monaten Erfahrungen gemacht. Eine
beruhigende Ausgangsbasis jedenfalls für einen
Job, dessen Spannungsverhältnis er so skizziert:
"Das Problem besteht heutzutage auf jeden Fall
darin, zu öffentlich zu werden. Dadurch kann
man auch seine Gläubigen spalten. Das andere
Extrem ist, auf Knien in die reine Spiritualität
zu rutschen. Der Mittelweg ist das Schwierige".
Auf diesem Grat will er Trittsicherheit dadurch
behalten, dass er einfach menschlich bleibt: "Ich
spreche meine eigene Betroffenheit öffentlich
an, wenn es um bestimmte Themen wie Kinderpornografie
zum Beispiel geht. Das größte Medium
für die christliche Botschaft bin ich ja selbst.
Ich muss überzeugend als Seelsorger unter den
Menschen leben. Dass man da ein Stück weit
gläsern wird, gehört dazu". |
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| Vor
gut einem Jahr begann diese Öffentlichkeit mit der
auf die vier Pfarreien des Kirchensprengels Stadtkyll
anberaumten Einführungsphase. Der Dechant übergab
den Kirchenschlüssel, symbolisch Ambo, Altar, Beichtstuhl
mit Stola. Eine junge Familie überreichte May die
Taufgarnitur, dazu kam die Übergabe der Verseh-Garnitur
mit Burse für die Kommunion im Krankheitsfall. All
die äußerlichen Kennzeichen der Sakramente.
Die Ernennungsurkunde des damaligen Bischofs Reinhard
Marx natürlich sowieso. |
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| Nun
ist May zum einen der Herr Pfarrer in und um Stadtkyll,
zum anderen eine Art Geschäftsführer eines mittelständischen
Unternehmens. "An die 50 Leute", von der Kindergärtnerin
über die Küster, von den Organisten bis zu den
vielen Ehrenamtlichen unterstehen ihm. "Wenn man
so will ist die Kirche in Stadtkyll der zweitgrößte
Arbeitgeber", meint May. |
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| Sein
Feierabend im von seiner Mutter geführten Pfarrhaus
direkt an St-Josef anschließend ist unter anderem
dem Büchernarren, der er auch ist, gewidmet: "Ich
lese sehr gerne die Krimis von Henning Mankell".
In Sachen Mord & Totschlag, für die die Region
seit den ersten Eifelkrimis bekannt ist, kein schlechter
Ansatz - Berndorf, Kramp & Co. empfehlen sich als
nächste Lektüre. Und er hört gerne Musik.
Mozart auch während der Büroarbeit am Stehpult,
wenn es gut von der Hand geht; Bruckner, Händel,
wenn er einfach abschalten will und die Gedanken tiefer
gehen. Und wenn Grund zur Freude besteht, kann auch mal
"Jesus Christ Superstar" oder die Musik der
70er Popgruppe Uriah Heep aus den Lautsprechern kommen.
Das hätte man nun wirklich nicht gedacht. |
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| Orange
7 - 2008 |
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