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Wenn
Opa morgens
um 5 zur
Arbeit geht... |
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Taxifahren
statt Sofanachmittag:
Werner Adolphi und Georg Stülb
sind lieber unterwegs. |
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| Am
28. Februar hat Albert Kirwel Geburtstag. Und natürlich
wird er den Jubeltag gebührend feiern. Vielleicht so ab
9 Uhr, wenn es den "Jungen" dann schon passt. Denn
um 9 ist der 81-Jährige mit Sicherheit wieder zurück.
Der Hillesheimer hat dann schlicht sein Tagwerk schon längst
begonnen. Fünf Mal die Woche geht Kirwel auch im hohen
Alter noch zur Arbeit. Zwischen 5 und 8 Uhr ist er einer von
17 Rentnern, die bei "Heiko - die rollenden Lebensmittelmärkte"
in Neuendorf beim Beladen der 70 Lieferfahrzeuge mit anpackt.
Palettenweise wird dann in den Lagerhallen des Mobil-Discounters
die in der Nacht angelieferte und kommissionierte Ware in den
Fahrzeugen verstaut. Kirwel ist einer von 17, die genau diese
Art von Unruhestand schätzen, und die 17 wiederum gehören
zur Gruppe der rund 700.000 bundesweit, die Arbeit vor Rentnerdasein
stellen - zumindest stundenweise. |
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| Heiko-Chef
Dr. Reinhard Steinkamp hat seit 1991 die Oldies unter ihren
400-Euro-Verträgen. Damals wurde die Verladung der Ware
umgestellt, bis dahin "hatten das die Fahrer noch selbst
gemacht". Also brauchte er neue Kräfte und fand sie
schnell bei den im Schnitt 70-Jährigen Senior-Kräften,
auf die er nach 17 Jahren Erfahrung nichts kommen lässt:
"Das ist noch die alte Garde. Die sind absolut zuverlässig,
fleißig, ehrlich und geistig noch beweglich". Stellenausschreibungen
für diese Art von Frühdienst kann er sich praktisch
sparen: "Das spricht sich einfach rum". |
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| Ein
dickes Lob auch für Albert Kirwel, der gleich mehrere Gründe
für die Fortsetzung des Arbeitslebens hat. Er könne
sich "noch nützlich machen", meint er. Das gefalle
ihm, genauso wie der früh strukturierte Beginn des Tages.
Viele Rentner haben Angst davor, nach dem Ausscheiden aus dem
Berufsleben in ein irgendwie ablaufendes Tagesprogramm zu fallen.
Wer hat sich schon zuvor die ausfüllenden Hobbys aufgebaut?
Beim Neuendorfer Mittelständler gefällt Kirwel zudem
die "Geselligkeit und das gute Arbeitsklima". Da falle
die durchaus auch körperlich harte Arbeit leicht. Und das
frühe Aufstehen macht ihm ohnehin wenig aus: "Ich
hatte eine Metzgerei und kenne das nur so", meint er, der
in seinem Teilzeitjob seit zehn Jahren auch die verlangte nötige
"Genauigkeit" schätzt: Liefert er dem Fahrer
zu viel der Ware, fehlt die im Lager; bleibt umgekehrt mehr
vor Ort als unterwegs entstehen dem Unternehmen unnötige
Kosten. |
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| Umfragen
belegen steigende Zahl der Opa-Minijobber |
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| Ähnlich
wie er sieht das auch der 60-jährige Alex Etten aus Auel.
Kirwels Kollege ist sogar schon seit elf Jahren bei "Heiko"
nachdem er zuvor beim alten Arbeitgeber, der Deutschen Post
in Köln, erwerbsunfähig geworden war. "Man kann
sich danach den Tag so einteilen, wie man will", sieht
er einen der Vorteile der Frühschicht, "und ich bin
unter Leuten und sitze nicht nur zu Haus und gucke in die Glotze". |
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| Zwei
Beispiele für ältere Minijobber, die Chancen der Strukturreformen
auf dem Arbeitsmarkt nutzen. Die Zahl der mehr oder weniger
Berufstätigen aus der Generation 65+ ist nach Angaben de
Bundesagentur für Arbeit seit 2002 um 40 Prozent gestiegen
- obwohl ihr Anstieg an der Bevölkerung im gleichen Zeitraum
sich nur um 15 Prozent erhöht hat. Weitere 240.000 waren
2007 als Selbstständige registriert, sozialversicherungspflichtig
beschäftigt waren insgesamt 3,6 Prozent der Altersgruppe.
Diese Zahlen unterstützen auch Umfragen wie die von FORSA,
wonach von 1000 Befragten zwischen 60 und 80 Jahren sich 25
Prozent eine bezahlte Tätigkeit wünschen. |
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80 ist
kein Alter: Albert Kirwel aus Hillesheim arbeitet fünf
Tage die Woche bei Heiko in Neuendorf zwischen 5 und 8
Uhr in der Frühschicht. |
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| Das
zusätzliche Geld zur Rente ist dabei ein wichtiger, aber
offensichtlich in vielen Fällen nicht das entscheidende
Grund. Das gilt auch für Werner Adolphi (62) und Georg
Stülb (72) aus Walsdorf. Die beiden sind Aushilfsfahrer
bei Taxi Trauden in Hillesheim. Stülb, ebenfalls ehemaliger
Inhaber einer Metzgerei, kutschiert seit sieben Jahren unter
Woche auf Zuruf des Taxiunternehmens die Fahrgäste durch
die Region. Den dafür nötigen Personenbeförderungsschein
hat er 2001 gemacht, und "wenn die Gesundheit es zulässt",
will er auch nach bestandener Kontrollprüfung der Berechtigung
in drei Jahren weiterfahren. Er fühle sich schlicht "nicht
wohl, den ganzen Tag zuhause zu sitzen", meint er. Ein
Argument, das auch Werner Adolphi vor gut einem Jahr dazu brachte,
die gerade begonnene Altersteilzeit bei der Hochwald Molkerei
doch noch arbeitsmäßig zu unterbrechen. |
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| Der
vormalige Betriebsratsvorsitzende hatte schon einige Zeit vor
Schließung der Filiale in seiner Freizeit die Prüfungen
für die Lizenz zum Taxifahren abgelegt. Er habe sich schlicht
gedacht: "Man weiß ja nie". Dennoch könnte
er sich jetzt eigentlich in Ruhe der Pflege des Gartens rund
ums Eigenheim in Walsdorf widmen: "Da ist genug zu tun".
Doch das Angebot von Rolf Trauden fand er dann doch ebenso interessant.
"Ich habe Kontakt mit vielen Menschen, speziell bei den
Fahrten mit dem Jugendtaxi, das ich für eine tolle Sache
halte. Und ich komme rum", freut er sich über den
Droschkenfahrerjob. Dass Unternehmer Trauden wie Heiko-Chef
Steinkamp über seine "Oldies but Goldies" denkt
wundert dabei nicht: "Ich bin mit ihnen absolut zufrieden". |
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| Und
es kommt noch etwas anderes dazu, das statistisch nicht erfasst
ist: "Wissen Sie, meine Frau ist nicht traurig, wenn ich
mal tagsüber ein paar Stunden mit dem Taxi unterwegs bin",
schmunzelt Werner Adolphi. Da denkt man ganz allgemein spontan
an Loriots Schicksalsfilm "Papa ante portas". In der
satirischen Komödie mit der hintergründigen Wahrheit
stört des reifen Ruheständlers plötzliche und
unwiderrufliche Dauerpräsenz massiv die Routine im trauten
Familienheim. Dabei will er sich nur nützlich machen
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| Orange
7 - 2009 |
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