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"Ich wusste
nicht, ob es
klappt"

Petra van Oyen setzte alles auf
eine Karte - und führt jetzt
PAVOY in Hillesheim.
Kunz, der Dobermann-Rüde, und Hera, ihres Zeichens nach Labrador-Mischlingshündin, sind entspannt und konzentriert. Ganz wie der "Chef". Das ist Petra van Oyen, 47, und seit 2004 alleinige Inhaberin und Geschäftsführerin im elterlichen Betrieb, der vor mehr als 60 Jahren gegründeten PAVOY GmbH Paul van Oyen in Hillesheim. Das Trio im Chefbüro des früheren elterlichen Wohnhauses, zugleich die Unternehmensverwaltung, strahlt Souveränität aus. Was man zumindest bei der schlanken dunkelhaarigen Frau nicht auf Anhieb vermuten würde, denn den Job, den sie hat, hat sie nicht gelernt und in ihrem "früheren" Leben auch nicht gewollt.
Eher das Gegenteil. Petra van Oyen war erfolgreiche Tennisspielerin (bis unter die Top 80 der Weltrangliste), erste Sportredakteurin bei RTL (1987 bis 1998) und Leiterin der Sportkommunikation Mitarbeiterin in der Unternehmenskommunikation bei AUDI. Sie führte Jahrzehnte lang das sprichwörtliche Dreiwettertaft-Leben: unterwegs rund um den Globus, in Kontakt mit Glamour und viel Luxus Geld.
"Es war ausschweifend. Seit vier fünf Jahren lebe ich jetzt gemütlich in der Eifel. Und ich vermisse nichts", sagt sie mit ruhigem Nachdruck zu ihrem ganz persönlichen Neustart. Denn zurück auf Los entschied sie nach dem Tod ihres Vaters, Firmengründer Paul van Oyen, im Jahr 2001. Das Unternehmen habe damals "kurz vor der Insolvenz" gestanden stellt sie offen fest. Zwei ältere Brüder schieden aus dem Unternehmen aus, es Es sei um "Hop oder Top" gegangen. Sie wollte "Top", kaufte nach und nach die Firmenanteile ihrer beiden älteren Brüder auf und fing an. "Weil ich nicht zusehen wollte, wie das, wofür mein Vater ein Leben lang geschuftet hatte vor die Hunde ging und weil ich nicht mit ansehen wollte, wie 60 Mitarbeiter und ihre Familien auf der Straße stehen." Sie gibt zu: "Ich wusste nicht, ob es klappt".
Hillesheim also statt New York. Stahlblechfertigung von Flügeltürenschränken und mehr für Werks- und Betriebseinrichtungen statt schneller Autos und Interviews mit Sportheroen. Als sie 2004 Alleininhaberin war, kam die Bewährungsprobe. "Der Fertigungsfluss und die Produktionsabläufe waren und sind noch nicht optimal. Wir haben mehrere drei Blechlager anlieferungen, wo wir nur eines brauchen, Schweißlagen lager an verschiedenen Orten, hatten zwei Versandstellen und zwei statt einer Pulveranlage, die mittlerweile im Schichtbetrieb läuft". PAVOY - ein über Jahrzehnte gewachsenes Unternehmen mit Nebenwirkungen: Anbauten, Umbauten, Erweiterungen. "Etwas unübersichtlich das Ganze" meint sie mit Blick auf das Firmengelände. Jedenfalls war ihr "sofort klar, dass das nicht effektiv sein kann. Das war logisch".
Pragmatismus, Organisationstalent, ein "unternehmerisches Händchen" wie sie es sich selber zugesteht, Rat und Tipps von den Besten unter ihren eigenen Leuten und Experten beim Arbeitgeberverband Eisen und Metall - das alles hat ihr damals geholfen. Vor allem aber wohl die feste Überzeugung, dass sie das alles will. Verantwortung übernehmen. So etwas merkt eine Belegschaft ganz, ganz schnell.
Unternehmer-Gen geerbt
So ist sie in den vergangenen vier Jahren in die neue Aufgabe hineingewachsen. Vielleicht gerade weil sie seitdem "fast alle halbe Stunde Entscheidungen treffen muss. Und besser eine falsche als keine". Das macht vermutlich den Kopf frei für das Wesentliche. Für Investitionen in Höhe von "rund zwei Millionen Euro, bis das alles hier richtig läuft". Mitte März zum Beispiel war wieder so ein Moment nach Abwägung des Für und Wider. Da hat sie 500.000 Euro für Umbau- und Rationalisierungsmassnahmen ein neues Biegesystem beschlossen. Einen Vorstand kann sie als Alleininhaberin einer GmbH schließlich nicht fragen. Was sie unmittelbar nach der Entscheidung gemacht hat? Vielleicht erst einmal einen guten Eifelkräuterschnaps getrunken? Von wegen. "Ich habe zu meinen Mitarbeitern gesagt: Jungs, da müsst ihr jetzt Gas geben, da müssen wir viele Schränke bauen!"
Denn die "Rundum-Optimierung" Sanierung der PAVOY GmbH Paul van Oyen "wird noch einige Jahre dauern", ist sie sich sicher. So lange, bis alles Bis Produktion, Versand und alles drum herum fit gemacht ist für den Markt, den das Unternehmen jetzt schon wieder mit gutem zunehmendem Erfolg bedient, aber sich weiter verbessern will. PAVOY exportiert in Benelux, Frankreich, die Schweiz und nach Österreich. Osteuropa sei noch "kein Thema, aber der Markt ist da".
Das Unternehmergen hat sie offensichtlich geerbt. Die Belegschaft ist auf knapp rund 90 Mitarbeiter gewachsen. Aber was hat sie sonst noch von ihrem Vater übernommen? Dessen Standpunkt sei "Stillstand ist Rückschritt" gewesen, fasst sie zusammen und kommentiert: "Jein. Wachstum um jeden Preis muss nicht sein". Ihr Selbstverständnis besteht vor allen Dingen darin die Mitarbeiter zu motivieren, anzuspornen, neue Produkte zu entwickeln und neue Kunden aufzuspüren. Es solle "dem Unternehmen und den Menschen, die darin arbeiten einfach gut gehen". Das hört sich eher nach Großfamilie denn Global Player an.
Vier Fünf Jahre "gemütlich in der Eifel". Ein Fulltime-Job und jede Menge Verantwortung für Petra van Oyen. Sie hat sich ihrem Führungsjob verschrieben und schuftet. Da bleibt im Moment wenig Zeit für ein Privatleben. Es werde noch "ein paar Jährchen dauern", bis sie sich ein eigenes Häuschen bauen kann, meint sie nur. Dann allerdings will sie auf jeden Fall ein kleines Atelier haben. Ihre Ölbilder signiert sie mit "PEVOY". Das Unternehmen, das sie leitet, bleibt ohne "E": PAVOY, Hillesheim.
Orange 7 - 2008
 
 
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