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Unser tägliches
Schnäppchen
gib uns heute
Viele, die günstig einkaufen, haben
das schon immer getan. Es werden
höchstens mehr.
Samstag ist der Tag der großen Strategen. Denn dann füllen die anstehenden Wochenangebote der Discounter auch in der Region zuverlässig die Briefkästen und es heißt clever sein! Auch Reiner und Erika Bertram aus Üdersdorf wissen, was nun zu tun ist: "Wir lesen die Prospekte mit den Angeboten ganz bewusst und suchen, wo was am billigsten ist", erläutert Reiner Bertram. Die beiden kommen gerade aus der Aldi-Süd Filiale an der Mehrener Straße in Daun und melden Einkaufsvollzug. Zwei von Millionen Gleichgesinnten. Den Konsequentesten von ihnen ist die Woche nicht mehr in Montag, Dienstag oder Donnerstag sondern in "Aldi", Lidl", "Plus" und Co. unterteilt: Aktionstage, durchgehend geöffnet.
Discountermärkte gibt es gefühlt schon immer. Und dass es zum Leidwesen des Einzelhandels auch so bleibt, dafür sorgen auch die wöchentlichen Angebote und die nochmals reduzierte "Aktionsware" in den Regalen der Filialisten. "Sie sind preiswert und die Qualität stimmt", urteilt auch Egon Bauer aus Bleckhausen, der gerade mit Ehefrau Ottilie aus der Filiale des Herrn Albrecht kommt. Nein, man kaufe hier und bei den Anderen nicht ein, weil man sparen müsse. Wirtschaftskrise hin oder her. Man sei langjähriger Kunde. Eher geht es wohl um - ganz vernünftige - Jagdinstinkte: Deutschland sucht den Superpreis! Mit der gewissen Einschränkung für Egon Bauer: "Das Werkzeug ist doch eher was für den Hobbybedarf, als Heimwerker reicht mir die Qualität nicht aus", zieht er eine Grenze beim Discountereinkauf.
Da ist er einer der wenigen, denn gerade die Sortimentsausweitung vom ursprünglichen reinen Lebensmittelangebot ("Food"-Segment) zum "Non-Food" wie Bekleidung, Elektrogeräten, mittlerweile auch Urlaubsreisen, Handytarifen, sogar Neuwagen, sind ein Erfolgsrezept der Discountmärkte. Und längst finden sie Käufer nicht mehr nur in den unteren Gesellschaftsschichten. Zu Aldi & Co. zieht es mittlerweile fast alle und nur wenige würden es heute noch grundsätzlich ausschließen.
Power-Buyer
Hat sich das Einkaufsverhalten dabei angesichts der aktuell schlechten Zeiten verändert? Man muss feststellen: nein, die Kundschaft ist aber natürlich eher gewachsen. Wer aber heute besonders günstig einkauft, tut dies schon länger und über alle Konjunkturschwankungen hinweg. Ein solches Konsumverhalten ist eher eine Frage der Einstellung als der sich abzeichnenden Ebbe in der Haushaltskasse. Nur selten hört man bei der kleinen o7-Umfrage entsprechend so klare Sätze wie: "Gerade heute zählt schließlich auch jeder Cent". So begründet Dieter Zender aus Daun, seinen regelmäßigen Gang zum "Plus"-Markt an der Bahnhofstraße. Es ist auch für ihn ein Grund von vielen.
Dass Discounter billig sind, sagt schon der Begriff und würde auch Ute Müller aus Düngersheim bei Kaisersesch nicht reichen. Der ausgeguckte Anbieter muss auch noch billiger als die anderen sein. Sie ist gerade auf Krankenbesuch in Daun und huscht auf die Schnelle in den Verbrauchermarkt unterhalb der Klinik. Müller profitiert von den bundesweit einheitlichen Preisen der Ketten. Vor der Abfahrt hat sie sich - natürlich auch auf Basis der Wochenprospekte - informiert, und festgestellt, dass an diesem Tag die Halbfett-Margarine hier gerade deutlich billiger ist als beim Wettbewerb. Und da das Schnäppchen sozusagen auf der Strecke liegt - nichts leichter als das.
Ein "Power-Buyer". So wie sie denken viele, längst nicht nur die sprichwörtliche Hausfrau. Schnäppchenprofis kennen ganze Listen mit aktuellen Vergleichspreisen auswendig, die sie zudem laufend auch im Internet über Preisvergleichsportale updaten. Die billigsten Herrenhemden gerade hier, Frühjahrsblumen aber dort, den neuen Laptop ab Donnerstag bei Anbieter Nummer Drei, der Markensekt kostet bei A gerade 75 Cent weniger als bei B und ab Mitte März wird das Bügelbrett bei Wettbewerber Nummer Vier unschlagbar sein. Natürlich nur, solange der Vorrat reicht. Bitte seien Sie früh genug da.
Der kleine "Sündenfall"
Das alles geht dann doch irgendwann ins Geld. Und wenn schon, dann günstiger als anderswo. Vor allem dann, wenn man wie Claudia Miesen aus Niederstadtfeld den Einkauf für eine vierköpfige Familie meistern muss. Für sie zählt, "dass ich bei Lidl - zum Beispiel - alles, was ich brauche, in einem Laden kriege und sparen kann". Was für sie schon seit Jahren die beiden wichtigsten Prinzipien sind. Auch sie ist dabei sozusagen außerplanmäßig schwach geworden. Sie hat einen Trockner bei Aldi gekauft - der Preis war einfach unschlagbar. "Der hat lange gehalten, auch wenn er jetzt kaputt ist".
Beate Latten aus Dreis-Brück, die "seit 20 Jahren" bei den Discountern einkauft, sieht das ähnlich: "Qualität und Sortiment sind mittlerweile einfach gut", lobt sie speziell Aldi. Ihr kleiner "Sündenfall" war die neue Kinderkleidung. Ja, die habe sie erstmals auch dort gekauft. Der Gang zum Fachhandel, er wäre mit Blick auf den Preis wohl umsonst gewesen. Mal den Trockner, mal die Bekleidung - man ahnt, wohin das eines Tages und gerade jetzt beim Fachhandel führen kann.
Picke-Packe voll ist der Einkaufswagen von Paul und Erika Blum aus Neunkirchen. Das Rentnerehepaar lässt sich beim zweimal die Woche anstehenden Großeinkauf wie heute bei Lidl an der Bitburger Straße Zeit. "Wenn die Prospekte kommen, dann lesen wir die ganz bewusst. Vor allem meine Frau", meint Paul Blum mit Blick auf seine Liebste. Die antwortet mit leicht tadelndem Blick: "Schließlich müssen wir auch ein bisschen aufs Geld achten". Das haben die beiden mit Sicherheit so schon immer gemacht. Und unzufrieden sehen sie beim Entladen der Ware in den Kofferraum ihres Autos nun wirklich nicht aus.
Orange 7 - 2008
 
 
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