31.10. 1,6 Kilometer vor Bruch
In der Eifel feiert sich der Indian Summer. Am Vormittag des Tages war es nur 3-4 Grad Celsius, die Fleece-Jacke unter der Wanderjacke war eine vorausschauende Entscheidung. Entlang der Salm: Der "kleine Lieserpfad" - und vielleicht bisher der Geheimtipp auf dem Eifelsteig. Ab und zu Nieselregen. Menschenleer die Wanderung mal unten direkt am Bach, mal auf schmalen Pfaden am Fels, mal oberhalb des Bachs. Die Salm gluckert und rauscht nur leise.
Bäume in aberwitziger Verschraubung in Richtung Sonnenlicht auf steilen Uferabhängen. Oder sie haben vom Eigengewicht die Balance verloren, das Wurzelreich ist herausgerissen, sie liegen quer über dem Bach; manche noch auf den nächsten Windstoß oder das Wintereis wartend, kurz vor dem Absturz. Die Wege laubbedeckt, feucht, matschig. Es ist nicht das Traumwanderwetter, aber es ist gutes Wanderwetter, besser, als am Start im Kloster Himmerod zu hoffen war. Die Stöcke tun erneut guten Dienst auf dem auf- und absteigenden Weg durch den Herbstwald, auf dem man beim Auftreten rutschigen Fels, Steine, Lavaschotter unter der Sohle spürt.
Aus dem Bachtal heraus öffnet sich eine Lichtung zu einer Wiese. Ein Holz-Tipi, es stehen nur die Stangen zum Zeltaufbau, im unteren Teil des Hangs zur bunt leuchtenden Waldkulisse des Gegenhangs ausgerichtet. Es ist gering bewölkt, die Wolkendecke reißt immer wieder auf. Kleine Nebelfetzen wabern den ganzen Tag schon über dem Bachtal, Dunstfahnen steigen auf. Spätnachmttagstimmung.
Von rechts hört man sie zuerst, bevor man sie sieht. Ein, zwei, schließlich drei Kranichzüge in größerer Höhe über dem Tal. Majestätisch zum V-geformt. Hunderte von Tieren bilden unterschiedlich lange Seiten der V-Schenkel, ziehen minutenlang vorüber. Jetzt erfüllt das Vogelgeschrei schon längst die Luft. Wird leiser, verschwindet wieder. Zugvogelzeit.
Teil 1: Wollseifen und Vogelsang
Teil 2: Kleingedrucktes
Teil 3: Begegnungen und Blicke
Teil 4: Bis zum Eifelkreuz (+ Impressum)
Route mit Textinfos
Dampfende Maare und schmale Pfade
Unterwegs auf dem Eifelsteig im Herbst 2008
Eifelschreiber © 2008